Schiedsvereinbarungen: Schlüssel zu schneller und effizienter Streitbeilegung
I. Überblick
Schiedsgerichtsbarkeit, in der türkischen Rechtsterminologie häufig als „tahkim“ bezeichnet, ist in der Türkei eine wichtige Methode der alternativen Streitbeilegung. Sie bietet erhebliche Vorteile gegenüber herkömmlichen Gerichtsverfahren, vor allem weil sie eine schnellere Beilegung von Streitigkeiten ermöglicht. Anders als staatliche Gerichte, die bis zu 3-4 Jahre für die Entscheidung eines Falls benötigen können, bietet die Schiedsgerichtsbarkeit einen beschleunigten Weg zur Rechtsdurchsetzung.
Es ist jedoch wesentlich zu verstehen, dass die Wirksamkeit von Schiedsvereinbarungen und die ordnungsgemäße Abgrenzung der Befugnisse der Schiedsrichter von größter Bedeutung sind. Unzureichende Vereinbarungen oder unklar definierte Schiedsrichterbefugnisse können das Schiedsverfahren unwirksam machen und dazu führen, dass Streitigkeiten im staatlichen Gerichtssystem fortbestehen.
II. Elemente einer Schiedsvereinbarung für Schiedsgerichtsbarkeit in der Türkei
1. Schiedswille
Eines der Hauptelemente einer wirksamen Schiedsvereinbarung ist der klare Wille der Parteien, ihre Streitigkeiten einem Schiedsverfahren zu unterwerfen. Die Parteien müssen ihre Zustimmung zur Schiedsgerichtsbarkeit gegenseitig und eindeutig erklären. Eine beispielhafte Schiedsvereinbarung, wie sie auf der Website des Istanbul Arbitration Centre (ISTAÇ) bereitgestellt wird, kann als Standard für angemessene Schiedsklauseln dienen.
Wichtig ist jedoch, dass vage oder mehrdeutige Formulierungen zu Streitigkeiten über die Wirksamkeit von Schiedsvereinbarungen führen können. Im Bereich des Seerechts etwa, in dem Abkürzungen häufig verwendet werden, wurde eine Kurzformulierung wie „GA/Arb in London law to apply“ vor Gericht angefochten. Das Gericht lehnte diese Bestimmung ab und betonte die Notwendigkeit präziser und eindeutiger Formulierungen in Schiedsvereinbarungen.
Darüber hinaus ist entscheidend sicherzustellen, dass ein einzelner Vertrag nicht gleichzeitig Schiedsgerichtsbarkeit und staatliche Gerichtsbarkeit als Streitbeilegungsmechanismen vorsieht. Die Kombination beider Optionen in einem Vertrag kann zu Unklarheit führen und letztlich die Schiedsklausel unwirksam machen. Türkische Gerichte legen solche Klauseln häufig dahin aus, dass ein klarer Schiedswille fehlt, wodurch sie unwirksam werden.
2. Form der Schiedsvereinbarung
Schiedsvereinbarungen unterliegen nicht denselben Formanforderungen wie gewöhnliche Verträge. Sie folgen einem eigenen Regime, das Flexibilität bei ihrer Bildung ermöglicht. Nach Artikel 4 des Internationalen Schiedsgesetzes (MTK) können Schiedsvereinbarungen schriftlich geschlossen werden oder unter bestimmten Umständen sogar durch elektronische Kommunikationsmittel wie E-Mail entstehen, sofern der Wille beider Parteien klar zum Ausdruck kommt. Besteht keine ausdrückliche Schiedsvereinbarung, leitet aber eine Partei ein Schiedsverfahren ein und widerspricht die andere Partei nicht, kann das Schiedsverfahren als wirksam angesehen werden.
3. Einbeziehung durch Verweisung
Parteien können Schiedsvereinbarungen durch Verweisung in Verträge einbeziehen. Dies ist besonders bei Berufsverbänden verbreitet, vor allem im Rohstoffhandel. Wenn eine Partei, die Mitglied eines solchen Verbandes ist, in ihrer Vereinbarung mit einem Dritten auf den Standardvertrag des Verbandes verweist, kann die Schiedsklausel im Standardvertrag zwischen den Parteien Anwendung finden. Das türkische Recht erkennt dieses Prinzip an und bestimmt, dass bei einer Verweisung auf ein Dokument, das eine Schiedsklausel enthält, auch die Schiedsklausel als wirksam gilt.
4. Sprache der Schiedsvereinbarung
Die Sprachfrage kann bei türkischen Schiedsvereinbarungen komplex sein, insbesondere im Hinblick darauf, ob die Vereinbarung zwischen türkischen Unternehmen geschlossen wird oder ausländische Parteien beteiligt sind. Das Gesetz schreibt für Wirtschaftsunternehmen in der Türkei die Verwendung der türkischen Sprache vor, was lokale Schiedsvereinbarungen beeinflusst.
5. Parteifähigkeit und Vertretungsmacht
Um die Wirksamkeit einer Schiedsvereinbarung sicherzustellen, ist es unerlässlich, die Vollmachtsunterlagen oder Zeichnungszirkulare der Personen anzufordern und zu prüfen, die die Vereinbarung im Namen einer juristischen Person unterzeichnen oder kommunizieren.
6. Schiedsfähigkeit
Nicht alle Streitigkeiten sind schiedsfähig. In der Türkei gilt allgemein, dass Parteien Schiedsgerichtsbarkeit nur für Angelegenheiten wählen können, über die sie vertraglich frei verfügen dürfen. Es gibt jedoch Ausnahmen. Streitigkeiten im Zusammenhang mit dinglichen Rechten an in der Türkei belegenen Immobilien gelten grundsätzlich als nicht schiedsfähig. Außerdem deuten jüngere Gerichtsentscheidungen darauf hin, dass nach Beginn eines Insolvenzverfahrens Schiedsgerichtsbarkeit für Streitigkeiten über Forderungen innerhalb dieses Verfahrens nicht mehr möglich ist.
7. Asymmetrische Schiedsvereinbarungen
Asymmetrische Schiedsvereinbarungen, bei denen eine Partei weitgehende Rechte zur Einleitung eines Schiedsverfahrens hat, während die Rechte der anderen Partei begrenzt sind, können besondere Herausforderungen aufwerfen. In manchen Fällen wird das Recht zur Einleitung eines Schiedsverfahrens ausschließlich einer Partei eingeräumt. So wurde beispielsweise in einem Vertrag der General Directorate of Coastal Safety für maritime Bergungsmaßnahmen das Recht zur Einleitung eines Schiedsverfahrens ausschließlich der Generaldirektion eingeräumt. Die gerettete Partei, der kein Recht zur Einleitung eines Schiedsverfahrens zustand, musste dagegen staatliche Gerichte anrufen. In solchen Fällen können türkische Gerichte solche Vereinbarungen für unwirksam halten, weil sie den Grundsatz des gleichen Zugangs zur Justiz verletzen können.
III. Wahl des Schiedsorts, anwendbares Recht und Umfang von Schiedsvereinbarungen
1. Wahl des Schiedsorts
Die Auswahl des richtigen Schiedsorts und der richtigen Institution ist von größter Bedeutung. Es ist wesentlich zu bestätigen, dass die gewählte Institution tatsächlich als gültiger Schiedsort mit einem funktionierenden Schiedsgericht tätig ist. Geschieht dies nicht, kann dies zur Unwirksamkeit der Schiedsklausel führen.
Ein anschauliches Beispiel betrifft die Wahl des „International Commercial Arbitration Court of the Chamber of Commerce and Industry of the European Community“ als Schiedszentrum. Auf den ersten Blick scheint diese Klausel ausreichend, um Schiedsgerichtsbarkeit zu wählen, doch es gibt ein Problem: Eine solche Institution existiert nicht. Als daher ein tschechisches Unternehmen in der Türkei ein Gerichtsverfahren einleitete, entschieden die türkischen Gerichte einschließlich des Kassationsgerichtshofs und des Verfassungsgerichts, dass die Schiedsklausel nicht durchgesetzt werden könne. Trotz der Hürden im staatlichen Gerichtsverfahren ließ die Unmöglichkeit, mangels gültiger Schiedsinstitution ein Schiedsverfahren durchzuführen, die Partei ohne wirksamen Rechtsschutz zurück.
2. Wahl des auf die Schiedsvereinbarung anwendbaren Rechts
Parteien einer Schiedsvereinbarung können das auf ihre Vereinbarung anwendbare Recht getrennt vom auf den Hauptvertrag anwendbaren Recht wählen und dadurch zusätzliche Flexibilität schaffen.
3. Persönlicher Umfang der Schiedsvereinbarung
Der Umfang der Schiedsvereinbarung kann erhebliche Auswirkungen auf Bemühungen zur Forderungsbeitreibung haben. Wenn Sie beispielsweise eine Forderung gegenüber einem Unternehmen nicht eintreiben können und die Muttergesellschaft Ihr Ziel ist, könnten Sie argumentieren, dass die Schiedsklausel im Vertrag der Muttergesellschaft auch Ihren Streit erfasst. Dieses Argument hält vor Gericht jedoch nicht immer stand. Zudem ist zu beachten, dass Schiedsklauseln grundsätzlich nicht auf Drittbegünstigte oder Bürgen erstreckt werden, sofern diese der Schiedsgerichtsbarkeit nicht ausdrücklich zustimmen.
IV. Die verfahrensrechtliche Roadmap
1. Der Verfahrensplan
Der Verfahrensplan ist ein Dokument, das Umfang und Grenzen der Aufgaben und Befugnisse der Schiedsrichter definiert und damit besonders wichtig für spätere Anfechtungen wie Aufhebungsverfahren ist. Nach Eingang des Schiedsantrags und der Antwort erstellt das Schiedsgericht dieses Dokument, das Verfahrensfragen und Regeln umreißt. Das Dokument wird anschließend den Parteien übermittelt (im Kern ein Entwurf eines Terms of Reference).
Die Parteien werden eingeladen, den Verfahrensauftrag zu prüfen und ihre Kommentare abzugeben. In dieser Phase treten die Rechtsvertreter beider Parteien häufig in einen Verhandlungsprozess ein, um Einigkeit zu erzielen. Diese Phase kann auch Vergleichsgespräche umfassen.
Wichtig ist hier, dass der Verfahrensplan die Schiedsvereinbarung enthält. Bestehen zu diesem Zeitpunkt Einwände gegen die Wirksamkeit der Schiedsvereinbarung, sollten diese im Verfahrensplan festgehalten werden. Werden im Verfahrensplan keine Einwände vermerkt, kann dies in späteren Aufhebungs- oder Anerkennungs-/Vollstreckungsverfahren als Beweismittel gegen die Geltendmachung der Unwirksamkeit der Schiedsvereinbarung verwendet werden.
2. Schiedszeitplan & Schiedsort
Nach dem MTK sollte ein Schiedsverfahren innerhalb eines Jahres abgeschlossen werden. Bei umfangreichen Verfahren kann sich diese Frist jedoch als unzureichend erweisen. Um dem entgegenzuwirken, müssen bereits bei der ursprünglichen Vertragsgestaltung geeignete Klauseln in die Schiedsvereinbarungen aufgenommen werden.
Die Festlegung des Schiedsorts im Verfahrensauftrag ist entscheidend. Wenn die Parteien den Schiedsort später ändern möchten, erleichtert die entsprechende Dokumentation im Verfahrensauftrag den Prozess. Eine Änderung des Schiedsorts kann erfolgen, wenn beide Parteien zustimmen.
3. Verfahrenszeitplan und Case-Management-Konferenz
Verfahrenszeitplan: Der Verfahrenszeitplan ist ein zentrales Dokument, das alle Schritte des Schiedsverfahrens festlegt. Er beschreibt Tätigkeiten wie die Einholung von Sachverständigengutachten, die Vernehmung von Zeugen, die Einreichung von Schriftsätzen und mehr. Sorgfältige Planung sowie die Bestimmung von Sachverständigen und Fristen sind in dieser Phase unerlässlich.
Case-Management-Konferenz: Vor der Durchführung des Verfahrens findet zwischen den Parteivertretern und den Schiedsrichtern eine persönliche oder telefonische Besprechung statt. In dieser Besprechung werden die endgültige Fassung des Verfahrensplans und der Verfahrenszeitplan vereinbart. Daher ist für diese Besprechung maximale Vorbereitung und ein tiefes Verständnis des Sachverhalts erforderlich.
Beispielsweise können sich die Diskussionen auf Verfahren zur Anforderung von Dokumenten konzentrieren, etwa den Prozess der „document production“. Das Schiedsgericht kann zusätzlich zu den Rechtsvertretern auch die Anwesenheit der Parteien selbst verlangen.
Vergleichsszenario: Kommt es während dieser Gespräche zu einer gütlichen Einigung, können die Parteien beantragen, dass die im Rahmen der Verfahrensplanbesprechungen erzielte Vereinbarung als Schiedsspruch festgehalten wird.
Eilschiedsrichter: In manchen Fällen, insbesondere bei der Prüfung einstweiliger Maßnahmen, kann die Anwendung von Eilschiedsrichterbestimmungen erforderlich sein. Zu beachten ist, dass nicht alle Schiedsinstitutionen Eilschiedsrichterverfahren vorsehen.
V. Fazit
Zusammenfassend steht die Schiedsgerichtsbarkeit in der Türkei, oder „tahkim“, als wichtige Säule der alternativen Streitbeilegung innerhalb der türkischen Rechtslandschaft. Ihre inhärenten Vorteile, insbesondere ihre beschleunigte Natur im Vergleich zu traditionellen Gerichtsverfahren, machen sie zu einer bevorzugten Wahl für schnelle und effiziente Streitbeilegung.
Dieser Leitfaden unterstreicht jedoch die überragende Bedeutung sorgfältig ausgearbeiteter Schiedsvereinbarungen, die einen klaren und eindeutigen Willen zeigen, Streitigkeiten der Schiedsgerichtsbarkeit zu unterwerfen. Die Wahl des richtigen Schiedsorts, des anwendbaren Rechts und die präzise Abgrenzung des Umfangs der Schiedsvereinbarung sind ebenso kritische Elemente, um die Wirksamkeit und Durchsetzbarkeit von Schiedsklauseln sicherzustellen.
Darüber hinaus ist eine gut strukturierte verfahrensrechtliche Roadmap, die durch einen umfassenden Verfahrensplan umrissen wird, der Schlüssel zu wirksamer Streitbeilegung. Wenn Parteien in der Türkei diesen Aspekten der Schiedsgerichtsbarkeit sorgfältige Aufmerksamkeit schenken, können sie sich mit Vertrauen und Kompetenz in der komplexen Welt der Streitbeilegung bewegen und letztlich faire und ausgewogene Ergebnisse erzielen.
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Diese Übersetzung dient ausschließlich Informationszwecken und kann vom Originaltext abweichen.